Worüber die Leute reden (306)

Von Rainer Beutel.

Corona und seine Folgen bleiben wie Impfungen und Lockerungen zweifelsfrei das herausragende Thema, worüber Menschen nicht nur im Kreis Groß-Gerau zuvörderst reden. Es muss ja nicht so ausufern wie in sozialen Medien, wo sich ausgerechnet verdiente Kommunalpolitiker stolz damit brüsten, inzwischen die zweite Impfung („mit Biontech!“) erhalten zu haben. Ihre berechtigten Sorgen bekunden die Menschenmit Blick auf die Inzidenz. Gerade wenn – wie Anfang Juni – der Kreis „in der Hessenliga“ (O-Ton Landrat Thomas Will) wieder mal den ersten Platz einnimmt, um sich wenige Tage später im Mittelfeld zu bewegen. Was sind die Ursachen für Infektionshöchststände im Gerauer Land? Sicherlich nicht die vielen Tests, die beispielsweise in Nauheim noch forciert werden, wo das Testzentrum aus dem ortsrandnahen Kulturbahnhof (Foto) in die neue Ortsmitte (Atrium) verlegt wird, um mehr Leute anzusprechen. Verantwortlich scheinen vielmehr bedenkenlos organisierte Familientreffen mit entsprechend negativen Folgen. Das sollte aber nicht dazu führen, dass Menschen aus den Nordkreis-Städten pauschal beschimpft werden.

Das Problem mit der Müllabfuhr ist schwer zu vermitteln. Da achten die Menschen darauf, Plastik zu vermeiden, ordentlich zu trennen und lieber einen eigenen Komposthaufen zu nutzen als die Biotonne, da kommt der Abfallwirtschaftsverband (AWV) und sagt: „Wir haben Minus gemacht.“ Ein Fehlbetrag von satten 870.000 Euro ergab sich in der Bilanz von 2020. Der Grund dafür ist schlicht: Die Bürger produzieren weniger Müll, mal abgesehen vom Grobmüll, dessen Aufkommen voriges Jahr gestiegen war, weil viele ihr Heim entrümpelten. Die Ursache für das Defizit deckt eine Fehlkalkulation auf. Der zuständige Verband hatte mit viel mehr Zusatzleerungen gerechnet und erwartet, dass die Haushalte mehr oder größere Tonnen bestellten. Unterm Strich führte das zu 570.000 Euro weniger Gebühreneinnahmen. Dass dann auch noch für Sach- und Dienstleistungen beim AWV 143.000 Euro mehr als erwartet ausgegeben wurden, sollte den angeschlossen Kommunen Biebesheim, Büttelborn, Gernsheim, Nauheim, Riedstadt, Stockstadt und Trebur zu denken geben. Jetzt heißt es nach althergebrachtem Denkmuster: Die Gebühren müssen steigen. Klug klingen indes zukunftsweisende Modelle wie eine Abrechnung nach Gewicht.

Einen (Zwischen-)Erfolg darf der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club bei seinen Bemühungen um einen Radentscheid verbuchen. Für einen Bürgerentscheid mit dem Ziel, das Radfahren in Groß-Gerau besser, sicherer und angenehmer zu machen, werden 1916 Unterschriften benötigt; das entspricht zehn Prozent der Wahlberechtigten. Mittlerweile wurden über 700 Unterschriften gesammelt. Kritisiert wird, dass Radwege oft im Niemandsland endeten beziehungsweise kein durchgängiges Radwegekonzept bestehe, sowohl in der Kreisstadt wie in manchen Kommunen, zum Beispiel in Nauheim.

Nicht unerheblich wiegt eine Nachricht über das unter Denkmalschutz stehende, 126 Jahre alte Wiegehäuschen in Königstädten, das schon vor der jüngsten Kommunalwahl für Schlagzeilen sorgte. Politiker hatten vor einigen Monaten wieder einmal versprochen, sich für den Erhalt der Waage einzusetzen (WIR 299). Jetzt wurde dem Ortsbeirat in einer Notiz „unter ferner liefen“ mitgeteilt, dass die Waage im Innern entfernt werde und nur das kleine Gebäude erhalten bliebe. So wollte es Stadtrat Nils Kraft (SPD) einleiten, ohne dass sich das Stadtteilgremium nochmals eingehender damit hätte befassen können oder dürfen. Dumm nur, dass der Stadtrat es auch versäumt haben soll, den Denkmalschutz zu konsultieren, heißt es. Jetzt kümmert sich die Obere Denkmalschutzbehörde in Wiesbaden um den Fall.

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