Neue Bäume braucht das Land

Von Ulf Krone.

In Zeiten des Klimawandels kommt der Waldbewirtschaftung eine besondere Bedeutung zu. Denn die Wälder, die wichtige CO2-Speicher sind, leiden, und es wird immer aufwändiger, sie effizient zu schützen und zu bewirtschaften. Deshalb haben sich zahlreiche Gemeinden und private Waldbesitzer vor vier Jahren zur Forstbetriebsgemeinschaft Rhein-Main (FBG) zusammengeschlossen, um diese Aufgaben gemeinsam angehen zu können. WIR-Redakteur Ulf Krone hat beim neuen Vorsitzenden Marcus Merkel, Bürgermeister von Büttelborn, zum Zustand der heimischen Wälder nachgefragt.

Gleich zu Beginn einmal die Frage: Wie geht es dem Wald im Kreis aktuell?

Marcus Merkel: Man kann es mit einem Wort umschreiben: Schlecht! Wir haben Absterbe-Erscheinungen bei der Kiefer und der Buche bzw. Vitalitätsverluste bei der Eiche, und das alles ist besorgniserregend.

Sie wurden bei der Mitgliederversammlung Anfang November zum Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaft Rhein-Main gewählt. Diese wurde Anfang 2017 zur gemeinsamen Bewirtschaftung und der entsprechenden Vermarktung des eigenen Holzes gegründet und umfasst heute acht Gemeinden sowie 41 Privatwaldbesitzer. Wie sieht die Arbeit der Forstbetriebsgemeinschaft konkret aus?

Marcus Merkel: Fördermaßnahmen können nun via Sammelanträge gestellt werden, und aufgrund des Wachstums der FBG können wir bei Setzlingen entsprechende Mengeneffekte erzielen und somit Kosten sparen. Wobei jeder Privatwaldbesitzer weiterhin sein eigener Herr ist und seine Flächen eigenmächtig bewirtschaftet. Ziel der FBG ist es, weiterhin gesund zu wachsen, und aktuell ist die Gemeinde Trebur der FBG beigetreten. Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres Aufgabengebiet der FBG, und gemeinsam mit Hanne Strack als Autorin und Fotografin erscheint das erste Buch der Forstbetriebsgemeinschaft über das Bauschheimer Wäldchen. 

Des Weiteren ist die Gründung eines Fördervereins geplant, um den Menschen die Möglichkeit zu offerieren, CO2-Kompensationen vor Ort zu betreiben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen bevorzugt ihre Flugreisen oder Kreuzfahrten vor Ort kompensieren, sobald sie wissen, wo ihre Gelder zu Wiederaufforstungszwecken eingesetzt werden. Deshalb möchten wir u.a. einen gemeinnützigen Verein parallel zur FBG gründen, um ggf. Spendenbescheinigungen ausstellen zu können. Diesbezüglich sind wir in guten Gesprächen mit dem Finanzamt Groß Gerau, welches uns bei diesem Unterfangen unterstützt.

Gemäß der Satzung ist ein Ziel, Strukturmängel wie die Kleinteiligkeit der Grundstücke und Waldflächen zu überwinden. Ein anderes ist die Aufforstung bestimmter Grundstücke. Wie weit ist man diesbezüglich in den ersten Jahren gekommen?

Marcus Merkel: Dieses Jahr pflanzen wir über die kompletten Flächen der FBG verteilt über 16.500 Bäume. Mit der Stiftung „Plant my Tree“ (PMT) alleine rund 5.000 Bäume östlich der Kreismülldeponie in Büttelborn auf einer 1,71 ha großen Fläche, auf der fast alle Kiefern die beiden heißen Sommerjahre 2018 und 2019 nicht überlebt haben.

Die Auswirkungen des Klimawandels in Form von Dürre und Extremwetter-Ereignissen machen den Wäldern überall zu schaffen. Wie ist die Lage in Ihrer Gemeinde Büttelborn, und wie sieht es im Kreis allgemein aus?

Marcus Merkel: Der Wald in Richtung Griesheim sieht zum Beispiel recht gut aus, und man hat aufgrund der guten Wasserversorgung wenig bis keine Absterbe-Erscheinungen dort vor Ort. Der Wald nördlich von Klein Gerau sieht dagegen schlimm aus, und man kann eine gedankliche Grenze in Form der BAB 67 ziehen. Nördlich sind die Wälder in keinem guten Zustand, und südlich sieht es aufgrund der höheren Grundwasserstände besser aus. So haben wir zum Beispiel in Riedstadt keinerlei Baumsterben.

Was ist der Plan? Wie soll, ja, wie muss den sich verändernden Verhältnissen in den kommenden Jahren begegnet werden?

Marcus Merkel: Grundsätzlich versuchen wir Klima-resistente Bäume zu pflanzen, wie z.B. Flaumeiche, Baumhasel, Esskastanie, Hopfenbuche oder Ungarische Eiche. Diese werden aktuell nicht gefördert, da sie bei den Förderprogrammen ausgenommen sind. Wir hoffen in Zukunft auf mehr Flexibilität des Fördermittelgebers. Kiefern, Buchen sind wie bereits erwähnt abgängig, und die Eiche kränkelt, aber diesem Klimaphänomen müssen wir entschieden und gemeinsam entgegenwirken.

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