Sag ich‘s oder lass ich‘s?

Von Anette Welp.

Kennen Sie das? Sie verbringen den Samstag mit Ihrem Gatten am FKK-Strand. Nun stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Sie sitzen vor ihm auf Ihrem Handtuch und betrachten ihn in seiner ganzen Pracht, so wie Gott und Ihre zwanzigjährige Ehe ihn geformt haben. Plötzlich platzt es aus Ihnen heraus. »Ich sehe was, was du nicht siehst!«

Daraufhin blickt er erstaunt an sich herunter und aus seinem Mund kommt ein langgezogenes »Waaas?«. »Nicht mehr siehst!«, fügen Sie schnell hinzu und schenken ihm ein bedeutungsvolles Lächeln. Kennen Sie dieses drückende Gefühl, ihm etwas sagen zu müssen, aber nicht zu wissen, wie Sie es ihm sagen sollen? Und fast gleichzeitig macht sich dieses zweifelnde Gefühl in Ihnen breit, ob Sie es besser lassen sollen? Es ist ein quälendes, nagendes und mitunter peinliches Gefühl. Und nun beginnen Sie, nach Argumenten zu suchen. Denn in erster Linie wollen Sie ihn selbstverständlich mit diesem Hinweis vor gesundheitlichen Problemen schützen: Sein Cholesterinspiegel könnte ungesund hoch ansteigen, seine Arterien verkalken und was ganz furchtbar wäre, seine Potenz ›im‹ werden. Studien aus den USA und Italien beweisen, dass Fettleibigkeit zu erektilen Dysfunktionen führen kann. Wenn Sie ehrlich sind, stört es Sie aber auch, dass Ihr Mann inzwischen wie ein XXL-Michel aussieht. Schließlich tragen Sie keine Schuld an seiner Leibesfülle. Denn auch, wenn Sie die beste Köchin der Welt sind, muss er ja nicht so gewichtig zunehmen. Schließlich essen Sie ja das Gleiche, nur nicht so viel. Vor kurzem erzählte mir meine Freundin, dass sie einen Mann kennen gelernt hat, der von sich behauptete, er hätte eine zwar füllige, jedoch sehr erotische Figur. Natürlich kann ein bisschen Speck erotisch sein. Aber muss es gleich eine Bauchschürze sein? Ich bitte Sie! Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass ein Männerbauch aussieht, als würde sich eine Schwangerschaft dahinter verbergen? Wenn es mit der Dehnung klappt, klappt es vielleicht auch mit dem Einsetzen eines befruchteten Eies in irgendeine Ecke dieses mächtigen Männerbauches. Ein spannender Gedanke, wenn er statt eines ›Bierkindes‹ ein Menschenkind austragen würde. Das wäre revolutionär! Die Gleichberechtigung würde sofort durchgesetzt, das garantiere ich Ihnen. Dafür würden die schwangeren Herren schon sorgen! Meine Freundin erzählte mir, dass ihr der Bauchschürzen-Mann gleich beim zweiten Wiedersehen anvertraut hat, dass es mit dem Sex schwierig sei. Nun, das zu glauben, fällt mir nicht schwer. Allerdings möchte ich mir auch nicht vorstellen, geschweige denn erleben, wie ein Bauchschürzen-Mann Sex praktiziert.

Sex macht glücklich, hält gesund und jung. Sex ist nicht nur arterhaltend, sondern auch ausgleichend harmonisierend. Menschen, die regelmäßig Sex haben, sind nicht gewalttätig. Denken Sie an die Bonobos. Diese Affenart ist sexuell sehr aktiv. Sie verfahren nach dem Lustprinzip: Wer mir gerade in die Quere kommt, dem tue ich Gutes. Wenn ein Bonobo-Männchen aggressiv wird, greift eine Bonobo-Frau sofort ein und nimmt ihn sich zur Brust. Auf diese Weise regulieren sich seine Spannungen und sie kann sich ihrer Lust hingeben. Ein weiteres, wichtiges Argument spricht für regelmäßigen Sex: Sex hält schlank! Ihr sportlicher Einsatz sorgt für einen hohen Kalorienverbrauch. Sie kommen gar nicht auf die Idee, sich ›Ersatz-zu-befriedigen‹ mit einem Stückchen Kuchen, einem Eisbein oder Schokolade. Denn auch, wenn Schokolade glücklich macht, so macht Sex dauerhaft glücklicher. Zurück zu »Ich sehe was, was du nicht siehst!«. Das Beste ist, Sie lassen es gar nicht so weit kommen. Das Beste ist, Sie verfahren nach dem Auswahlprinzip ›Sex statt Essen‹ und müssen sich nicht mit peinlichen Fragen beschäftigen. Und sollten Sie dennoch in die Verlegenheit geraten, dass aus Ihrem Mann etwas wird, was Ihnen überhaupt nicht gefällt, dann sagen Sie es ihm und nicht Ihrer besten Freundin. Sprechen Sie aus, was Sie stört! Um alle weiteren Unsicherheiten auszuräumen, fragen Sie am besten Ihren Arzt oder Apotheker!

Anette Welp
ist Autorin, Verlegerin sowie Frauen- und Gleich­stellungsbeauftragte in der Treburer Gemeinde­verwaltung;
augenauf.welp@t-online.de

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