Worüber die Leute reden (297)

Kommentiert von Rainer Beutel.

In Königstädten werden nicht nur Mitarbeiter für den schon seit längerem geplanten Edeka-Markt gesucht, sondern auch Bürger, die die Absichten kommentieren möchten. Sie müssen allerdings gut vernetzt oder mobil sein. Die Bürgerbeteiligung, die noch bis 7. Oktober läuft, ist Teil des langwierigen Genehmigungsprozesses für den Neubau rund 750 Meter entfernt vom bisherigen Standort. Immerhin, kommentieren die Einheimischen: „Jetzt geht es endlich voran.“ Denn nun soll der Flächennutzungsplan geändert werden, mit dem für den Neubau am Ortsausgang die notwendige planungsrechtliche Grundlage geschaffen wird. Wer im Beteiligungsprozess seine Meinung äußern will, kann dies allerdings nur online erledigen oder muss bis nach Frankfurt in die Geschäftsstelle des Regionalverbandes Frankfurt Rhein-Main reisen.

Konsolidieren. In Nauheim wagt die Sport- und Kulturvereinigung, der rund 680 Mitglieder angehören, einen in der kommunalen Vereinswelt außergewöhnlichen Schritt: Um sich finanziell zu konsolidieren werden Gebäude, die seit mehr als 40 Jahren zur vereinseigenen SKV-Halle gehören, verkauft, abgerissen und mit neuen Wohnungen bebaut. Anders kann sich der Verein nicht mehr helfen. Zu teuer wären die Brandschutzauflagen beispielsweise für eine Gaststätte samt Kegelbahn. Der Verein ist seit den späten 1970-er Jahren wegen eines Hallenumbaus hoch verschuldet. Mit dem Grundstückskauf hilft ein bekannter Investor aus der Patsche – Seniorenheimbetreiber und Atrium-Eigentümer Michael Adrian. Er will Personal- und Sozialwohnungen bauen.

Konkurrieren. In Trebur können Spaziergänger wieder den „Balser“ bewundern. Gemeint ist ein etwa 100 Kilogramm schweres Kunstwerk, das den Schwarzbach fast komplett überspannt. Es symbolisiert den von 1930 bis in die 1950-er Jahre tätigen Gänsehirten Balthasar „Balser“ Schmenger, seinen Hund und drei Gänse. Im Juni 2019 war das Werk, das fünf Jahren zuvor von den „Mir Trewwerern“ als Beitrag zum Kultursommer Südhessen aufgestellt worden war, arg beschädigt worden. Der 13 Meter lange Balken war durchgebrochen, mutmaßlich, weil jemand darauf balanciert sein soll. Nun wurde die Skulptur von den „Trewwerern“ wieder instandgesetzt und an idyllischer Position, wo auch Enten, Galloway-Rinder und heimische Gewächse um die Aufmerksamkeit von Passanten konkurrieren, wieder aufgestellt. Das Ereignis soll ein paar Tage lang Ortsgespräch gewesen sein. Denn schon der Transport des Unikats zum und über den Schwarzbach verursachte mindestens so viel Last wie das Hüten von Gänsen.

Kontrollieren. In Groß-Gerau genießen die Polizeistation und die darin Beschäftigten einen guten Ruf, zumindest bei jenen, die nichts verbrochen haben. Trotzdem geraten die Ordnungshüter unfreiwillig in den Sog eines frühzeitigen Kommunalwahlgeplänkels. SPD und CDU ringen um eine „unabhängige Kontrollinstanz zur Untersuchung von ungerechtfertigter Polizeigewalt“. Die Genossen befürworten dies, die CDU warnt vor Pauschalurteilen. Gleichwohl ist sich die Union angesichts einiger Vorfälle (andernorts, versteht sich) der Brisanz bewusst und befürwortet gleichsam eine objektive Kontrolle – „zum Schutz der korrekt arbeitenden Polizisten“. Alle wollen also das Gleiche, trotzdem wird schon mal um die Deutungshoheit gestritten. CDU-Kreisvorsitzender und MdB Stefan Sauer bringt es indes sachlich auf den Punkt und sagt, „die Polizei muss konsequent durchgreifen dürfen, wenn es darauf ankommt, sonst verliert sie an Respekt und der Bürger das Gefühl der Sicherheit“.

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