Worüber die Leute reden

Von Rainer Beutel.

„Es reicht für Rot-Rot-Grün“, hieß es nach der Auszählung aller Stimmen im Kreis Groß-Gerau nach der Kommunal- und Kreistagswahl am 14. März. Das Ergebnis kam, wenn die Zwischenresultate während eines mehrtägigen Zählmarathons beachtet werden, final überraschend. Zwischenzeitlich wären ganz andere Koalitionen oder „gestalterische Mehrheiten“ möglich gewesen. Und sie sind es noch immer, denn die Verhandlungen über eine künftige politische Zusammenarbeit im Kreistag stehen zurzeit auf der politischen Agenda – hinter verschlossenen Türen versteht sich. Die SPD mit 20 von insgesamt 71 Mandaten hofft mit Grünen (13) und der Linken offenen Liste (drei Sitze) auf die Fortsetzung bisheriger Konstellationen. Eine Mehrheit ergäbe sich allerdings auch durch andere politische Absprachen, etwa wenn sich die CDU (19 Mandate) mit Grünen (13) und Freien Wählern (vier) verbündete. Statt den Freien Wählern könnte eine erneuerte Fraktionsgemeinschaft aus FDP und Freier Wählergemeinschaft (vier) aufspringen. So viel steht fest: Der neu gewählte Kreistag konstituiert sich am 3. Mai um 14 Uhr in der Dornheimer Riedhalle. Dann wissen wir mehr.

Ein Geschmäckle bleibt an den Kommunal- und Kreistagswahlen haften. Denn sowohl in der Stadt Groß-Gerau als auch im Landkreis haben Spitzenkandidaten kräftig Stimmen kassiert, obwohl von vornherein klar war, dass das eine oder andere Zugpferd nur des guten Eindrucks willen vor den Karren gespannt worden war. In der Kreisstadt galt das für Bürgermeister Erhard Walther (CDU). Bei der SPD auf Kreisebene gab sich Landrat Thomas Will als wohl prominentester Sozialdemokrat dafür her. Beide können, dürfen und werden das von den Bürgern nun erteilte Mandat nicht annehmen, wenn sie in ihren bisherigen Ämtern weiterarbeiten wollen – wovon auszugehen ist. Gegen solche Tricks gab es anderswo Klagen. Im Kreis Groß-Gerau wurden die Scheinkandidaturen mehr oder weniger stillschweigend hingenommen, selbst von Parteien, die hier nicht genannt sind. Die wussten vermutlich, dass sie anderswo ebenfalls so taktierten.

In diesem Kontext ein Hinweis in eigener Sache: Leser haben sich – im Rückblick zurecht – gewundert, warum in unserer Ausgabe Nr. 303 bei einem Interview mit Landrat Will über die Corona-Situation nicht kritischer nachgefragt wurde. Dazu äußert sich jetzt WIR-Leser Dietmar Zellner auf Seite 15.

Unter welchem ­Firmendach die Mitarbeiter des bisherigen Real-Markts in Groß-Gerau auf eine Weiterbeschäftigung hoffen dürfen, steht inzwischen fest. Neben zwei weiteren Real-Märkten in Südhessen soll der Kreisstädtische von Edeka übernommen werden – so wie 51 weitere Real-Märkte bundesweit. Das habe das Bundeskartellamt genehmigt, hieß es kürzlich. Offen bleibt bislang, ob es in Groß-Gerau tatsächlich einen Edeka-Markt geben wird. Der Handelskonzern müsse sich zunächst um die Anmietung des Gebäudes mit einer Fläche von rund 6.000 Quadratmetern kümmern und anschließend entscheiden, ob Edeka selbst reingehe, ein neues Großmarktkonzept realisiere oder es an „Marktkauf“ weiter reiche, das als Handelsunternehmen zur Edeka-Gruppe gehört. Um ihre berufliche Zukunft bangen in der Kreisstadt etwa 110 bislang bei Real Beschäftige.

Für zigtausend ­Katholiken im Kreis Groß-Gerau bildet sich nun genau ab, wie und wo sie sich künftig seelsorgerisch aufgehoben fühlen dürfen. Der Dekanatsrat hat im Zuge des Pastoralen Wegs entschieden, welche Pfarreien es künftig im Umland geben soll, nämlich wie erwartet drei statt bislang 16. Demnach besteht eine Pfarrei im Nordkreis demnächst aus den Orten Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim mit knapp 16.000 Katholiken, wobei Königstädten nicht integriert ist. Die Gläubigen des Rüsselsheimer Stadtteils gehören künftig einem Mittelkreis an, der außerdem aus den Katholiken der Kommunen Mörfelden-Walldorf, Büttelborn, Groß-Gerau, Trebur mit seinen Ortsteilen und Nauheim besteht. In diesem Zentrum leben rund 21.000 Katholiken, während weitere 10.000 in den Ried-Kommunen Riedstadt, Biebesheim, Stockstadt und Gernsheim verwaltungstechnisch zusammengefasst werden. Die Kommunen in der Mainspitze werden übrigens einem neuen Pfarreiverbund von Kostheim, Amöneburg und Mainz-Kastel zugeschlagen.

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