Worüber die Leute reden (331)

Von Rainer Beutel.

Wenn ein Traditionsklub wie der Treburer Turnverein (TV) in Schieflage gerät, lässt das aufhorchen. In dem 2100 Mitglieder großen Verein sorgen nicht leere Kassen für Diskussionen um eine Auflösung, sondern die vorübergehende Vakanz für das Vorstandsamt „Liegenschaften“. Dass sich in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dann mit Astrid Lapp und Jürgen Fehler doch zwei Kräfte fanden, die dafür sorgen wollen, dass die altehrwürdige Turnhalle kein Millionengrab wird, verdient größten Respekt.

Notwendige Beschlüsse sind Menschen oftmals schwer verständlich zu machen, es sei denn, sie spüren die Folgen unmittelbar. Den Rüsselsheimern etwa mit der umweltpolitisch begründeten Absage des beliebten Oldtimertreffens auf dem Mainufer. Ebenso den Groß-Gerauern mit der finanzpolitisch erklärten Absage des Open-Air-Festivals „Volk im Schloss“. Während mit Blick auf vertrocknete Mainwiesen über naturschutzrechtliche Gründe noch diskutiert werden könnte, blieb Landrat Thomas Will nichts anderes übrig, als den Rotstift anzusetzen. Sein Etat ist nicht genehmigt, zu krass (23,4 Millionen Euro) das Defizit. Entsprechende Einschnitte zeichneten sich indes schon ab, als Will vor Monaten seinen Etat eingebracht hatte. Eine Konsequenz: höhere Kreisumlagen zulasten der Kommunen, die sich immer weniger freiwillig leisten bzw. Bürgern weniger bieten können. Ein Kreislauf nach unten.

Seit 1. Juli ist der Gerüstbauermeister Roland Kappes (Foto r.) neuer Bürgermeister der Gemeinde Nauheim. Erst wenige Tage zuvor gelang es in einer zweiten Sondersitzung der Gemeindevertretung, ihm eine korrekt unterschriebene Ernennungsurkunde zu überreichen. Das wichtige Dokument, schon mal zwei Wochen zuvor von Vorgänger Jan Fischer (Foto l.) übergeben, war zunächst von den falschen Leuten unterzeichnet worden, weshalb die Gemeinde kreisweit verhöhnt worden sein soll. Dass die erste, fehlerhafte Ernennung nur eine „schlechte Generalprobe“ gewesen sei, wie es zu lesen war, ist allerdings blanker Unsinn.

Gemeinhin ist anzunehmen, dass ein Großunternehmen wie die DHL sich nicht selbst Konkurrenz macht. In Königstädten ist dies geschehen, nachdem eine Packstation eine Gehminute entfernt von einer Postfiliale im Einkaufszentrum gebaut und in Betrieb genommen wurde. Die Verärgerung der privaten Betreiberfamilie, die neben Lotto und Toto, Schreibwaren und kleine Alltagsutensilien offeriert, stößt bei Bürgern auf Verständnis, ist die Packstation doch geeignet, die Umsatzzahlen im Ladengeschäft und dessen Nimbus als Kundenbringer im EKZ zu verderben. Für die DHL-Group gilt die Packstation schlicht als „Ergänzung“, für den Filialbetreiber jedoch als Existenzgefahr. Der Ortsbeirat nimmt sich der Sache an.

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