Berufsvielfalt entdecken

Von Rainer Beutel.

Mit einer Imagekampagne auf Initiative der Kreishandwerkerschaft Groß-Gerau (KHGG) wird auf Bussen der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft für eine Ausbildung im Handwerk geworben. Erster Werbepartner: die Nauheimer Firma Reibstein. Darüber hinaus kümmert sich die KHGG derzeit um Praktikumswochen und den Schutz vor Cyberkriminalität. KHGG-Geschäftsstellenleiter Nils Kliesing (2.v.r.) gibt WIR-Redakteur Rainer Beutel Auskunft, worum es geht.

Herr Kliesing, in Hessen stehen die Praktikumswoche(n) für Schülerinnen und Schüler bevor? Wie groß ist das Angebot, welche Nachfrage können Sie erwarten? Und wie wird dafür geworben?

Nils Kliesing: Wie groß das Angebot ausfallen wird, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen, da dieses Format nach meinem Wissen erstmalig im Landkreis Groß-Gerau durchgeführt wird. Es ist eine interessante Ergänzung zum klassischen Praktikum, da Schülerinnen und Schüler so in einer kurzen Zeit eine Vielfalt von Berufen kennenlernen können. Für die Praktikumswochen wird auf allen Informationskanälen geworben. Sei es durch die Wirtschaftsförderungen, der Kammern, der Kreishandwerkerschaft oder in der Schule vor Ort.

In der individuellen Praktikumswoche lernen junge Menschen jeden Tag ein anderes Unternehmen kennen. Ist das denn an wenigen Stunden pro Tag überhaupt möglich?

Nils Kliesing: Das ist sicherlich von Beruf zu Beruf unterschiedlich. Bei Berufen wie z.B. dem Tischler dürfte die arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Unterweisung mehr Zeit in Anspruch nehmen als in einem kaufmännischen Beruf, was natürlich dann von der eigentlichen Zeit des Praktikumstages abgeht. Daher empfehlen wir allen Schülerinnen und Schülern für einen handwerklichen Beruf mindestens zwei Praktikumstage vorzusehen. Wenn das Interesse dann erstmal geweckt ist, ist es sicherlich möglich, in Absprache das Praktikum zu verlängern.

Auf was können sich die jungen Interessenten einstellen? Gibt es dabei vor allem Führungen oder, wenn möglich, auch jeweils einen kleinen praktischen Einstieg?

Nils Kliesing: Wie dieses Konzept des Praktikums in den Betrieben umgesetzt wird, können wir nicht sagen. Wir empfehlen jedoch allen Betrieben, Praktikanten neben dem Erklären und Zeigen auch praktische Aufgaben ausführen zu lassen, auch wenn es dann mal etwas länger dauert, da nur so eine Leidenschaft und Interesse für den Beruf geweckt werden kann. Optimal wäre es natürlich, wenn der Praktikant am Ende seines Praktikums etwas Selbstgebautes mit nach Hause nehmen kann. Dies ist natürlich nicht in allen Berufen so einfach möglich.

Anderes Thema: Die Kreishandwerkerschaft warnt vor Cyberangriffen und hilft bei der Abwehr. Nimmt das Problem in jüngster Zeit zu und warum ist das so?

Nils Kliesing: Natürlich haben wir dafür keine Zahlen, aber das Problem wächst und dürfte in den nächsten Jahren noch zunehmen. Durch die fortschreitende Digitalisierung wird die Angriffsfläche bei Handwerksbetrieben steigen. Durch die Entwicklung von AI-gesteuerten Textprogrammen werden auch Phishing-Mails immer professioneller und schwieriger zu erkennen sein. Da kleinere Betriebe im Bereich der IT meistens nicht so aufgestellt sind wie Großunternehmen, führt dies zu einer gewissen Attraktivität für Cyberkrimelle. Sind die Daten erstmal verschlüsselt und nicht regelmäßig gesichert worden, wird der Betrieb wohl das geforderte Geld für seine Daten zahlen.

Wie können sich Betriebe wappnen?

Nils Kliesing: Grundlegende Dinge wie Softwareupdates und Datensicherungen sollte jeder Betrieb regelmäßig durchführen. Da es jedoch schnell sehr technisch wird, würden wir empfehlen einen IT-Dienstleister hinzuziehen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Abwehr von Phishing-Mails regelmäßig schulen zu lassen. Ob beispielsweise eine Cyber-Versicherung sinnvoll ist, muss jeder für sich entscheiden, jedoch kann sie finanzielle Schäden zumindest abmildern, da die Bereinigung eines Systems nach einem Vorfall durchaus mehrere tausend Euro kosten kann.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten für Handwerker, sich vorzubereiten? Wo finden sich Angebote oder Weitertbildungsmöglichkeiten?

Nils Kliesing: Die meisten Angriffe geschehen durch Phishing-Mails. Diese sind gezielt darauf ausgerichtet, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu täuschen, sodass der Angreifer nach dem Öffnen der Dateianhänge oder Links unbemerkt auf das System Zugriff erlangt. Es ist wichtig, die Mitarbeiter regelmäßig für solche Mails zu sensibilisieren und eine gewisse Skepsis aufzubauen, ob diese Mail tatsächlich vom Absender stammen kann. Dies kann bspw. durch Schulungen oder durch Phishing-Simulationen stattfinden. In der Regel führen IT-Dienstleister Schulungen durch. Bei unserem Rahmenvertragspartner sind Phishing-Simulationen z.B. inklusive. Sofern sich unsere Betriebe ein solches Angebot wünschen, würden wir natürlich auch Schulungen anbieten.

Von den oben genannten zwei aktuellen Themen abgesehen: Worauf richtet die Kreishandwerkerschaft in den kommenden Monaten ihr Augenmerk?

Nils Kliesing: In den letzten Monaten haben die Kontrollen der Behörden hinsichtlich des Arbeitsschutzes in Unternehmen zugenommen. Aus diesem Grund haben wir beispielsweise vor Kurzem einen neuen Rahmenvertrag mit einem Unternehmen zur arbeitsmedizinischen und arbeitssicherheitstechnischen Betreuung abgeschlossen, von welchem unsere Mitglieder profitieren können. Generell möchten wir unsere Mitglieder bei diesem Thema in Zukunft durch Schulungsangebote mehr unterstützen, damit diese gut aufgestellt sind, sollte mal etwas passieren.

Kreishandwerkerschaft Groß-Gerau

Zur Person: Nils Kliesing, 2009 bis 2012 Ausbildung bei der Kreishandwerkerschaft, 2017 bis 2019 Fortbildung zum Wirtschaftsfachwirt, 2021 bis heute Übernahme der Geschäftsstellenleitung der Kreishandwerkerschaft.

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