Die Suche ist vorbei

Von Ulf Krone.

Seit gut zweieinhalb Jahren gibt es inzwischen die Hospizstiftung Groß-Gerau, deren Mitglieder sich seither für die Errichtung eines Hospiz im Kreis engagieren. Nach zwei Rückschlägen ist zuletzt Bewegung in die Suche nach einem geeigneten Standort gekommen. Auf Esch wurde nun der ideale Platz für das Hospiz gefunden. WIR-Redakteur Ulf Krone hat zum aktuellen Stand des Projekts bei der Vorstandsvorsitzenden Petra Boulannouar (Foto: v.l. mit Stellvertreter Dr. Harald Braun) nachgefragt. 

Nach dem Erwerb eines Grundstücks im Stadtteil Auf Esch rückt die Realisierung des Projekts, ein stationäres Hospiz im Kreis Groß-Gerau zu errichten, endlich näher. Wie ist da der derzeitige Stand der Dinge?

Petra Boulannouar: Wir freuen uns sehr darüber, dass wir nun endlich den genauen Ort kennen, wo wir das stationäre Hospiz mit angeschlossenem Tageshospiz (das ist unser Alleinstellungsmerkmal) bauen können.

Jetzt geht die konkrete Planung los: Die drei Architekten in unserem Team haben das Grundstück eingehend untersucht und schon ein paar Ideen entwickelt, wie das Hospiz mit angeschlossenem Tageshospiz aussehen könnte, und sie haben den Raumbedarf mit allen medizinischen und verwaltungstechnischen Sonderräumen genau beschrieben. Die Bausubstanz der bestehenden Gebäude wird geprüft, d.h.es wird geprüft, ob die statischen Voraussetzungen für Aufstockung etc. gegeben sind, oder ob es besser ist, alles abzureißen und ganz neu zu bauen.

Es haben sich mehrere Architekten beworben. Aktuell sind wir dabei, ein Architekturbüro auszuwählen, das die Planung erstellt und den Bauantrag vorbereitet. Dieser soll noch in diesem Jahr beim Bauamt eingereicht werden, so dass idealerweise der Bau 2025 begonnen werden kann.

Nach zwei gescheiterten Anläufen hat es mit dem Grundstück Auf Esch endlich geklappt. Was war ausschlaggebend?

Petra Boulannouar: Ja, endlich hat es geklappt. Wir waren etwas enttäuscht, dass die Gespräche mit Kreisklinik und Landrat – die wir schon seit 2021 führen – nicht zu einem konkreten Bauplatz an der Klinik geführt haben. Nachdem dann auch noch ein Erweiterungsbau der Klinik selbst, in dem wir eine Etage mieten wollten, nicht so vorangekommen ist, wie uns zugesagt worden war, haben wir uns entschlossen, selbstständig auf die Suche nach einem Grundstück zu gehen. Uns lief die Zeit davon. Wir haben darum die örtliche Presse über die Problematik informiert, die dann darüber berichtete. Und wir haben uns an die Bürgerinnen und Bürger gewendet, die ein Grundstück zu verkaufen haben.  Das führte in kurzer Zeit zu sechs Angeboten, die wir alle geprüft haben. 

Glücklicherweise bekamen wir auch das Grundstück in der Tielter Straße angeboten. Das ist nicht nur vom Standort her optimal, sondern es ist auch vollkommen erschlossen, und wir können unabhängig von Dritten unsere Vorstellungen in dem Zeitrahmen verwirklichen, den wir uns vorgenommen haben. Das Grundstück selbst ist mit 1.700 m² etwas klein. Daher werden wir eine Grenzbebauung beantragen müssen, die die Stadt Groß-Gerau als Besitzerin des Grünstreifens im Europaring und unsere Nachbarin tangieren wird. Da wir eine enorme Zustimmung für unser Projekt in der Stadt haben, denken wir nicht, dass uns Steine in den Weg gelegt werden, und hoffen auf eine optimale Lösung für alle. 

Am besten wäre es für die Gesamtplanung, wenn uns die Stadt derart entgegenkäme, dass wir den Grünstreifen für die Gartengestaltung des Hospizes mitnutzen können. Wir haben schon gehört, dass die Stadt die Übereignung des Grünstreifens an die Hospizstiftung wohlwollend prüfen will. Das ist schön, denn das stationäre Hospiz mit angeschlossenem Tageshospiz ist ein enorm wichtiges Projekt für die gesamte Bevölkerung in der Stadt und im Kreis. Das Hospiz wird nicht nur ein Ort sein, an dem kranke Menschen ihre letzten Wochen verbringen, sondern es wird auch für die Angehörigen eine wichtige Einrichtung sein, in der sie Trost und Hilfe erfahren. 

Vergessen wir nicht, dass der Kreis Groß-Gerau der einzige Kreis in Südhessen ist, der noch nicht über ein stationäres Hospiz verfügt! Wir meinen, es lohnt sich, ein solch wichtiges Angebot aktiv zu unterstützen. Wir hoffen sehr, dass auf die zahlreichen politischen Erklärungen nun auch konkrete Taten folgen werden.

Hat sich der Kostenrahmen dadurch verändert, und wie sieht es bei der Finanzierung aus?

Petra Boulannouar: Wir konnten in den letzten Jahren schon viele Spenden sammeln. Etwas mehr als eine halbe Million Euro kam bis Ende 2023 zusammen, und das nur aufgrund von Kleinspenden. Damit können wir die Hälfte des Kaufpreises für das Grundstück bezahlen. Wir haben die Absicht, ein Crowdlending zu starten, das uns noch zu einer Million Euro verhelfen soll.

Für den Bau wird natürlich viel, viel mehr Geld gebraucht. Die Einrichtung soll keine Wünsche offen lassen, sie soll hell, modern und wohnlich sein. Wir rechnen mit einer mittleren bis höheren siebenstelligen Summe. Dieses Geld müssen wir über die Kreissparkasse und die Volksbank finanzieren. Beide Geldhäuser haben hier schon ihre Kooperation zugesagt. Wie viel das Hospiz am Ende kosten wird, können wir erst sagen, wenn die Bauplanung fertig ist. 

Um weitere Spenden zu akquirieren, werden wir unsere Marketingstrategie ausweiten. Wir arbeiten gerade an einer Broschüre, in der wir um aktive Unterstützung werben. Wir werden darin verschiedene Möglichkeiten wie Schenkungen, Vererben und Testament zugunsten der Hospizstiftung darstellen. Und wir bereiten eine Infobroschüre vor, um auch die hiesigen Unternehmen zu Großspenden motivieren zu können. 

Des Weiteren schaffen wir für Privatleute die Möglichkeit, uns ein Darlehen mit einer Laufzeit von fünf bis acht Jahren zu einem moderaten Zinssatz zu geben. Damit können einzelne Menschen ihr Geld sinnvoll und solide in einem sozialen und regionalen Projekt investieren. Mit der Finanzierung über Crowd-Darlehen möchte die Hospizstiftung Bürgerinnen und Bürgern die direkte Teilhabe an einem wichtigen und sozial nachhaltigen Projekt ermöglichen. So kann das Netzwerk der Stiftung erweitert werden – und damit wird bürgerschaftliches Engagement in der Stiftung sogar noch verstärkt und ausgebaut. Dieses Crowdlending wird mit der Heidelberger Firma Xavin organisiert, die auf die Art schon viele Projekte unterstützt hat. Nähere Informationen findet man unter www.xavin.eu.

Wann kann man, nach aktuellem Kenntnisstand, mit einer Fertigstellung des Hospiz rechnen?

Petra Boulannouar: Wir gehen davon aus, dass 2026 das Hospiz in Betrieb gehen wird und die ersten Gäste einziehen können. Bis dahin ist noch einiges zu tun: Zuerst der Bau des Hospizes samt Ausstattung. Dann kommt die Suche nach gut ausgebildetem Personal mit viel Herz. Gefragt sind da Kompetenz und Empathie gleichermaßen. Außerdem sind wir natürlich in den Jahren vor Inbetriebnahme damit beschäftigt, Strukturen und Abläufe aufzubauen und zu verstetigen, damit sich alles einspielt und die Arbeit im und rund ums Hospiz vom ersten Augenblick an reibungslos vonstattengeht.

www.hospiz-gg.de

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