Berufe im Wandel

Von Harald Ehrhardt.

Der Beruf des Kfz-Mechatronikers gehört bei den männlichen Azubis zu den beliebtesten Ausbildungsgängen. Dieser Beruf umfasst die Planung, Wartung, Prüfung, Diagnose, Instandsetzung und Aus- und Umrüstung von Kraftfahrzeugen.

Neben den Berufsschwerpunkten Personenkraftwagentechnik, Nutzfahrzeugtechnik, Motorradtechnik und Karosserietechnik können die Auszubildenden seit 2007 auch den Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik wählen. Damit hat der Gesetzgeber schon damals eine rechtliche Grundlage geschaffen, um der zunehmenden Ausstattung der Kraftfahrzeuge mit Elektronik und der Elektrifizierung der Antriebe Rechnung zu tragen. Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker oder zur Kfz-Mechatronikerin dauert in der Regel dreieinhalb Jahre und endet mit einer Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer.

Die System- und Hochvolttechnik befasst sich mit dem Einsatz von Spannungen oberhalb von 30 V AC (Wechselstrom) bzw. 60 V DC (Gleichstrom) in der Fahrzeugtechnik. Diese Spannungen werden in Elektro-, Hybrid- oder Brennstoffzellenfahrzeugen verwendet und erfordern besondere Sicherheitsmaßnahmen bei der Arbeit an Fahrzeugen.

Im Kreis Groß-Gerau beginnen jedes Schuljahr ca. 60 Kfz-Mechatroniker ihre Ausbildung, und sie besuchen daher die Beruflichen Schulen Groß-Gerau (BSGG). Die BSGG bietet die Schwerpunkte Personenkraftwagentechnik, Nutzfahrzeugtechnik und System- und Hochvolttechnik an. Vor vier Jahren hat der Fachbereich Fahrzeugtechnik der BSGG beschlossen, den Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik zu intensivieren.

Seit dem Schuljahr 2019/2020 werden die Auszubildenden mit dem Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik in einer eigenen Schulklasse unterrichtet. Dies hat Vorteile, denn zum einen ist die Lerngruppe kleiner, was sowohl für die Auszubildenden als auch für die Unterrichten vorteilhaft ist. Vor allem aber geht es darum, inhaltlich andere Schwerpunkte zu setzen. Der Bereich Elektrik und Elektronik nimmt einen deutlich breiteren Raum ein, als dies bei den anderen Schwerpunkten der Fall ist. 

In den BSGG wird im Fachbereich Fahrzeugtechnik neben der Fachtheorie auch Fachpraxis gelehrt. Hierzu gibt es eine eigene Kfz-Werkstatt. Diese wurde in den letzten Jahren durch die Anschaffung neuen Inventars deutlich aufgewertet. Neben zwei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen gibt es originale Fahrzeugbatterien, diverse Hochvolt-Bauteile aus Elektrofahrzeugen und einen Hochvolt-Simulator, an dem das gefahrlose Arbeiten an einer Hochvolt-Batterie simuliert werden kann. 

Ein wichtiger Aspekt bei der Arbeit mit Hochvolt-Fahrzeugen ist die Arbeitssicherheit. Daher nimmt dieses Thema sowohl in der Theorie als auch in der Praxis schon im ersten Ausbildungsjahr einen breiten Raum ein. Die BSGG versucht den Gefahren, die von der neuen Technik ausgehen, besonders gerecht zu werden. Daher erhalten alle Auszubildenden, die im Laufe der dreieinhalb Jahre verschiedene Tests in Theorie und Praxis erfolgreich durchlaufen und die vor allem am erforderlichen Unterricht teilgenommen haben, anerkannte Zertifikate über ihre Qualifikation. Diese Zertifikate sind nach den Richtlinien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) erstellt und erfüllen deren Ansprüche.

Der Berufsschulunterricht findet jede Woche mit 8 Stunden an einem „Hauptschultag“ und 14-tägig mit 8 Stunden an einem „Wechselschultag“ statt. Unterrichtet wird nach dem gültigen Rahmenlehrplan in 14 Lernfeldern. Daneben werden die Fächer Deutsch, Wirtschafts- und Sozialkunde und Religion erteilt. Zur schulischen und betrieblichen Ausbildung kommen im Handwerk noch die überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen (ÜLU) im Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Weiterstadt. Für die Kfz-Mechatroniker sind dies in dreieinhalb Jahren 10 Kurse.

Harald Ehrhardt
ist zuständig für die Fachbereichskoordination Fahrzeugtechnik an den Beruflichen Schulen GG; sabrina.schaffroth@bsgg.net

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