Möglichkeiten entdecken

Von Ulf Krone.

Mit dem Talent Company Projekt will die Strahlemann-Stiftung aus Heppenheim helfen, eine stärkere Gewichtung auf den Übergang Schule-Beruf zu legen und frühzeitig Perspektiven für die Schüler/innen zu schaffen. Die Talent Company ist ein Fachraum für Berufsorientierung, wie er nun auch an den Beruflichen Schulen Groß-Gerau entstanden ist. Bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung waren dabei (v.l.) Netsanet Berhane (Strahlemann-Stiftung), Ulrike Maurischat (Regionale OloV-Koordination für den Kreis), Schulleiterin Sabine Kämpf, Landrat Thomas Will, der Vorstandssprecher der Volksbank Darmstadt Mainz Matthias Martiné sowie Oberstudienrat und Fördervereinsvertreter Steffen-Helmut Koppe. Das WIR-Magazin hat nachgefragt bei Netsanet Berhane.

Sie sind als Projektmanagerin bei der Strahlemann-Stiftung in Heppenheim tätig, die gerade mit den Beruflichen Schulen Groß-Gerau (BSGG) eine Kooperationsvereinbarung geschlossen hat. Erklären Sie unseren Lesern bitte einmal, was die Strahlemann-Stiftung ist und worum es ihnen ganz allgemein geht!

Netsanet Berhane: Jeder Mensch hat ein Talent! Einen einzigartigen Beitrag in dieser Welt, welcher zu Selbstbestimmtheit, Freude und Sinn für Gemeinschaft führt, wenn Bildung an Schulen und Ausbildungsberufen sozial gerecht angeboten wird. Aus diesem Grund richtet die Strahlemann-Stiftung bundesweit Fachräume für Berufsorientierung, sogenannte Talent Companies, an Schulen ein. Schulen sind genau der richtige Ort, an dem Schüler/innen auf das Leben vorbereitet werden. Nachhaltig und systematisch treffen Ausbildungsbetriebe in der Talent Company auf Schüler/innen ab Jahrgangsstufe 8 bis zu den Abschlussklassen, um die überaus spezialisierten Inhalte eines Ausbildungsberufes genauer vorzustellen. Auf Augenhöhe und im Sinn des „lebenslangen Lernens“ entdecken benachteiligte Schüler/innen so schon während ihrer Schulzeit wichtige Inhalte verschiedenster Berufe. Dieses Angebot ermöglicht, fundiertes Wissen zu erlangen, Interesse zu wecken und Arbeitsbedingungen und Neigungen zu erkennen. Darauf aufbauend besuchen Schüler/innen in der Talent Company dann im zweiten und dritten Jahr der Sekundarstufe I nur noch Unternehmen, die ihren Neigungen entsprechen.

Wie kam es zur Gründung der Stiftung?

Netsanet Berhane: 1989 besuchte Franz-Josef Fischer ein Hilfsprojekt in Portugal. Dort kam es zu einer schicksalshaften Begegnung mit Schwester Margita Trömer. Aus dieser Begegnung schöpfte Franz-Josef Fischer die Motivation und Inspiration, etwas Gutes für die Kinder unserer Welt zu tun. Aus einem Vorgängerverein und verschiedenen internationalen Aktivitäten seit 2002 wurde schließlich 2008 mit über 50 Unternehmen die Strahlemann-Stiftung gegründet.

Sie haben kürzlich mit den BSGG eine Kooperationsvereinbarung über die Einrichtung einer Talent Company geschlossen. Was hat es damit auf sich?

Netsanet Berhane: Die BSGG haben ein Berufsorientierungskonzept, welches vollends den Voraussetzungen der Strahlemann-Stiftung entspricht, mit einer Schulleiterin und einem Schulträger, die für die Sache brennen, einem Berufsorientierungsteam von vier oder mehr Lehrkräften, einem Klassenraum von 60 Quadratmetern Größe sowie Förderer zur Realisierung des Raumes. Mit der Talent Company soll Berufsorientierung institutionalisiert werden, damit sich eine größere Anzahl der BSGG-Schüler/innen am Ende ihrer Schulzeit für eine Ausbildung entscheidet. Desweiteren hat die IHK Darmstadt ein MINT-Zentrum an den BSGG eingerichtet, das aktiv durch umliegende Schulen genutzt wird. Diese erhalten als Schulfremde ebenfalls Zugang zur Talent Company, was den Strahlemann-Kooperationspartnern eine größere Interessengemeinschaft einbringt. Und da die Strahlemann-Stiftung nicht in jedem Stadtteil einer Stadt einen Talent-Company-Standort eröffnen kann, können so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. 

Aber das Projekt Talent Company ist nur ein Teil der Arbeit der Stiftung. Wie sieht das weitere Engagement hier in Deutschland aus?

Netsanet Berhane: Berufsorientierung geht bei uns über die Einrichtung von Talent-Company-Räumen hinaus, indem wir Schüler/innen anhand Ihrer Stärken und Talente Ziele und Wege in die Ausbildung aufzeigen. Das Projekt „Talent-Elements“ bietet durch intensives Coaching individuelle Stärken-Profile und sorgt in zweiter Linie für das Vernetzen von Jugendlichen mit Firmen der Region, denn über die Variante digital und live wird im Rahmen von Workshops der erste Kontakt zwischen zukünftigen Praktikanten/Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben hergestellt. Wir schaffen so ein Match aus gestärkten und motivierten jungen Menschen mit Perspektiven auf Basis der dualen Ausbildung.

Darüber hinaus ist die Strahlemann-Stiftung aber auch international tätig. Wo engagieren Sie sich noch, und worum dreht es sich bei dieser Arbeit?

Netsanet Berhane: Wir engagieren uns weltweit für die nachhaltige Stärkung von Bildung. In Kooperation mit der Bensheimer Karl-Kübel-Stiftung finanzieren wir Bildungsprojekte, um Kindern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Bisher unterstützten wir beispielsweise Projekte in Nepal, Indien und Äthiopien.

www.strahlemann-stiftung.de

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