Die Enkel-Generation rückt nach vorn

Von W. Christian Schmitt.

Mit der Reihe „Tischge­spräche“ gibt das WIR-Magazin seinen Lesern Gelegenheit, unmittel­bar am je­wei­ligen Geschehen mit dabei zu sein, Menschen, ihre Gedanken­welt und ihren Wirkungsbereich kennenzulernen. Diesmal hat uns Nina Eisenhardt, Mitglied der Grünen-Fraktion im Hessischen Landtag, in ihre Wohnung ein­geladen.

Sie wohnt dort, wo auch ich mich 14 Jahre lang mit meiner Redaktionsstube wohlgefühlt hatte – in Darmstadts einst noblem Johannes-Viertel, in unmittelbarer Nähe des Herrngarten gelegen. Die Rede ist von Nina Eisenhardt, dem mit 30 Jahren jüngsten weiblichen Mitglied im Hessischen Landtag. In jener Straße, wo sie sich mit einer WG im 4. Stock eines Altbaus eingerichtet hat, haben wir uns verabredet, um über sie und ihr politisches Engagement zu reden.

Zur Begrüßung sagt sie mit heller Stimme: „Es ist besonders schön, auch in Corona-Zeiten wieder einmal Gäste zu haben“. Und wir – der Kollege Werner Wabnitz und ich – sind gespannt auf das, was diese junge Frau zu erzählen hat und fühlen uns sogleich wohl in ihrer geräumigen Küche. Man kann sie – denke ich – durchaus bereits als „Enkelin“ der einstigen Vorzeige-Grünen wie z.B. Petra Kelly, Joschka Fischer oder Claudia Roth bezeichnen.

Ihr Werdegang lässt auf ein sachkundiges Gespräch hoffen. Als geborene Schwäbin kam sie 2009 aus Baden-Württemberg nach Hessen, wo sie zu studieren begann und an der TU Darmstadt ihren Bachelor in Politikwissenschaft und an der Goethe-Universität in Frankfurt ihren Master in „Internationale Studien: Friedens- und Konfliktforschung“ machte. Damit der Kenntnisse noch nicht genug: In Renningen war sie für die Grünen-Fraktion Mitglied des Stadtrats und von 2015 bis 2018 „Organisatorische Geschäftsführerin der Grünen Jugend Hessen“, wie es in ihrer Vita heißt.

Doch Politik zu studieren ist nur die eine Seite, selbst auszuprobieren eine ganz andere. Was sie an Politik reize, frage ich und sie antwortet spontan: „Es ist sicher mein kleiner Quälgeist. Ich habe meine Familie schon immer mit vielen Fragen gelöchert“. Und nie habe sie akzeptiert, wenn es hieß: „Es ist aber so, wie es ist“. Fragen stellen, auf Antworten beharren und mit ganzem Herzen mit dabei zu sein, wenn es darum geht, diese unsere Gesellschaft mitzugestalten. Das, so mein erster Eindruck, scheint die Triebfeder für diese junge Politikerin. Und sie fährt fort: „Wenn ich das Gefühl habe, Leute werden benachteiligt oder es geht nicht mit rechten Dingen zu, dann…“. Dann wird sie hellwach und weiß, auf welcher Seite sie zu stehen und sich zu engagieren hat. Dieses Gefühl, diese Empathie kenne sie, „seit ich 13 oder 14 war“.

Schlagwörter sind nicht ihre Sache. Aber sie weiß, dass sie ihren Beitrag für die Veränderung unserer Gesellschaft leisten kann. Und dann sprechen wir über den Klimawandel, über den „Aufbau einer ökologischen Zukunft“, darüber, dass „wir mit Kapitalismus vs. Sozialismus nicht weiterkommen“. Fragen stellen und Antworten finden, daran arbeitet sie. Zum Beispiel: „Wie dient Wirtschaft den Menschen, ohne der Umwelt zu schaden?“. Ich fasse noch einmal nach und frage, was für sie „so unheimlich spannend“ sei, sich politisch zu engagieren. Und sie redet unbekümmert, aber durchaus ernsthaft fragend: „Wie kann man die Landwirtschaft, wie unser Gesundheitssystem wieder auf die Füße stellen?“ Oder sie stellt die Generationenfrage: „Ist auch für mich, für uns die Rente noch sicher?“

Natürlich müssen wir bei dieser Gelegenheit auch über den Finanzminister und sein Füllhorn sprechen, über das offenkundig nötige Schuldenmachen in Zeiten von Corona. Doch wer, wenn nicht die nachfolgenden Generationen, soll irgendwann diese Schuldenberge wieder abbauen? Nina Eisenhardt argumentiert so, als könne sie keine Frage in Bedrängnis bringen: „Wir müssen vorwärts denken und nicht die schwäbische Hausfrau bemühen“, die ja bekanntlich eher für „spare, spare, Häusle baue“ bekannt sei. Frau Eisenhardt untermauert ihre Aussage noch dadurch, dass sie anfügt: „Hinter diesen neuen Schulden steht auch eine produktive, innovative Kraft. Viel wichtiger als die Frage nach der Schwarzen Null ist doch, wie stabil bleibt unser wirtschaftliches und politisches System?“.

Dann geht es noch um weitere Fragen: „Wie sehen Sie den Zustand unserer Gesellschaft?“, Antwort: Der Angriff auf die Demokratie komme „weitgehend von rechts“. „Wie schaffen Sie Nähe zu den Bürgern, Ihren Wählern, die Sie in Wiesbaden vertreten?“, Antwort: Sie gehe zu den Menschen. „Ist das Schwarz-Weiß-Denken passé?“, Antwort: Sie habe gelernt, anderen zuzuhören und könne auch den eigenen Standpunkt revidieren, sei offen für andere politische Meinungen.

Es macht Spaß, mit ihr zu diskutieren. Sie scheint zu jenem Typ junger Politiker(innen) zu gehören, denen Bürger in zunehmendem Maße Vertrauen schenken sollten. Bevor wir uns verabschieden, verrät uns Nina Eisenhardt noch ein kleines Geheimnis: „Ich hole derzeit das Lesen von Klassikern nach“.

www.nina-eisenhardt.de

Zur Person: Nina Eisenhardt, 1990 in Sindelfingen geboren, lebt in Darmstadt. Auf ihrer Website schreibt sie u.a.: „Für mein Studium bin ich 2009 aus Baden-Württemberg nach Hessen gezogen und habe mein Bachelor in Politikwissenschaft an der TU Darmstadt und an der Goethe-Universität Frankfurt meinen Master in Internationale Studien: Friedens- und Konfliktforschung gemacht. Für die GRÜNE JUGEND Hessen war ich als Landesgeschäftsführerin tätig, bevor ich in den hessischen Landtag gewählt wurde. Ich engagiere mich seit vielen Jahren in politischen Gruppen für Menschenrechte, Abrüstung und globale Gerechtigkeit… Bei der Landtagswahl am 28. Oktober 2018 bin ich über die Landesliste in den Hessischen Landtag eingezogen und vertrete dort nun die GRÜNE JUGEND und meinen Wahlkreis Groß-Gerau II, was ich selbstverständlich als Auftrag verstehe, mich für den gesamten Kreis Groß-Gerau im Hessischen Landtag zu engagieren“.

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